Folge des rasanten Fortschritts

Müde oder wach?

©_Syda Productions_fotolia.com
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Dass Licht die innere Uhr des Menschen taktet, ist seit langem bekannt. Im Jahr 2002 wurden auch die Ganglienzellen auf der Augennetzhaut entdeckt, die diese „Master Clock“ ansteuern. Entscheidend für die Ausschüttung der Hormone Melatonin (ermüdend) und Cortisol (aktivierend) ist der circadiane Rhythmus. Der funktioniert nur dann reibungslos, wenn er durch äußere Reize unterstützt wird. Dafür braucht er das richtige Licht. So sorgt (Sonnen-) Licht mit hohen Blauanteilen am Morgen dafür, dass die Produktion von Melatonin wirkungsvoll unterdrückt wird und Cortisol seine Wirkung entfalten kann. Der Mensch ist munter und motiviert.

 

Innere Uhr aus dem Takt

Gleichzeitig gilt aber auch, dass Licht mit hohen Blauanteilen am späten Abend die innere Uhr aus dem Takt bringen kann. Denn während das natürliche Licht in den Abendstunden schwächer und gelblicher wird, verzögert kühlweißes, künstliches Licht die Melatoninproduktion.
Das Resultat: Wir können schlechter einschlafen, schlafen weniger tief und fühlen uns am nächsten Tag nicht ausgeruht. Und kühlblaues Licht begegnet uns heute immer intensiver in den LCD-Bildschirmen von TV, PC, Tablet und Smartphone und in den neuen Energiespar- und LED-Lampen – eine unangenehme Folge des rasanten technischen Fortschritts.

 

Vielen Menschen mit Einschlafproblemen kann mit diesem Wissen inzwischen recht einfach aber wirksam geholfen werden: Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte man den Fernseher ausschalten und bei der Raumbeleuchtung im Wohn- und Schlafzimmer auf die guten alten Halogenlampen (Lichtspektrum ähnlich dem Sonnenuntergang) statt LED umschalten. Auf den Apple-Geräten reduziert bei abendlicher Nutzung der „Nachtmodi“ den Blaulichtanteil der Displays stark. Ähnliches gibt es für Android-Geräte und PCs mit Windows 10. Ansonsten darf man vor dem Einschlafen auch gerne ein klassisches Buch oder eine Zeitschrift unter Halogenlicht lesen, ohne danach schlechter zu schlafen.
Aus der Augenoptik gibt es seit Kurzem eine neue Hilfe bei diesen Schlafproblemen: Mit Brillengläsern, die den ungesunden Blaulichtanteil gezielt herausfiltern, tut man nebenbei noch etwas Gutes, weil damit die Netzhaut viel weniger energiereiches Licht neutralisieren muss.

 

Ullrich Gerlach, Schenklengsfeld

 


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